

Vor gut 10 Jahren fing ein neues Motivationskonzept an, den Kampf gegen Belohnungen mit Gutscheinen und Prämien für Konsum und gute Arbeit aufzunehmen: Bei Gamification wird ebenfalls belohnt. Aber anders. Mit Spaß. Besser. Richtiger. Manchmal. Auf Roman Rackwitz Risiko-Missionskarte steht der Auftrag: Erobere Deutschland, etabliere Gamification. Er hat ihn angenommen. Und er spielt gut.
„Gamification – Die Rettung der Motivation. Das Roman Rackwitz Interview (28.08.2018)“ als Podcast hören:
Gamification Day am 5.9.2018 in Köln. Eines der großen jährlichen Events der Gamifizierer. Es geht um Entscheider und Führungskräfte deutscher Unternehmen. Wo sind inzwischen die Grenzen des Machbaren? Aber eigentlich ist die Konferenz im Bogen 2 der Austragungsort einer Überzeugungsschlacht. Gamification vs. klassische Belohnung. Auch 10 Jahre, nachdem das Prinzip "Gamification" bekannt wurde, wird um die Erkenntnishoheit gekämpft, dass es die bessere Methode ist, Motivation zu erzeugen.
Nimm irgendetwas, das dein Gegenüber gerne hätte. Eine Uhr.
Einen Flatscreen. Ein Snickers. Halte es ihm hin und dann sagst du: „Das
kriegst Du von mir!“ Er wird dann fragen: „Was muss ich dafür tun?“ Schon hast
du ihn motiviert. Ab sofort macht er, was du willst. Komplett fremdbestimmt. Du
sitzt am Ruder. Ganz einfach oder?
Weil es tatsächlich so einfach ist, Menschen zu motivieren, produziert die Prämienindustrie jedes Jahr Milliardenumsätze. Man nennt das extrinsische Motivation – also durch äußere Einflüsse erzeugte Handlungsbereitschaft. Sie funktioniert. Hast du eine Payback Karte? Kennst du einen bis zehn, die eine haben? Also ...
Nimm irgendein Spiel und halte es deinem Gegenüber hin. Dann
sagst Du: „Komm, wir spielen was.“ Er wird dann wahrscheinlich antworten: „Und
was krieg ich dafür?“
Gamification ist die Methode, das Wesen von Spielen überall in Alltags- und Jobsituationen zu verankern. Wenn du im Supermarkt beim Einkaufswagenrennen die Mutti mit der vollen Karre kurz vor der Kasse noch überholst, hast du deinen Samstagseinkauf gamifiziert. Oder im Job, wenn du dich super fühlst, weil es deine spontane Idee in der Kreativrunde war, und du jetzt den „Denkbär“ eine Woche lang auf deinen Schreibtisch stellen darfst. Es ist die andere Variante, Motivation zu erzeugen. Sie funktioniert aber nicht durch das Vor-die-Nase-halten eines Gier-Auslösers, sondern es ist das Spiel an sich. Das nennt man intrinsische Motivation, von innen heraus. Sie ist die schwierigere Variante. Man muss einsteigen, ohne zu wissen, ob man etwas bekommt. Spaß zum Beispiel. Begeisterung. Leidenschaft. Siegesgefühle. Stunden, Tage, Wochen der Hingabe. Suchtzustände.
Wir alle leben und atmen das Belohnungsprinzip. Schon das Ausbleiben von Strafe oder Schimpfe gilt als Belohnung. Von anderen, von außen (extrinsisch) muss der Lohn für Mühe kommen. Belohnungen haben wir uns verdient, sind wir gewohnt, brauchen wir zum Funktionieren.
Auch bei Gamification werden wir belohnt. Reichhaltiger, nachhaltiger, dauerhafter. Aber kommt schon im nächsten Moment ein Payback Clone vorbeigeflogen, steigt unsere Psyche sofort ein, Freiflug direkt in den nächsten Prämienshop, wo wir uns verdient belohnen können.
Das Unternehmertum in Deutschland sollte Roman Rackwitz und
all die anderen Pioniere der Mission „Gamification“, die sich um die Etablierung der
Methode in den Unternehmen bemühen, eigentlich nach Kräften unterstützen.
Wenn es ihnen gelingt, das intrinsische Motivationsprinzip als führende Kraft um die Handlungsbereitschaft der Menschen zurückzuholen, würde das nichts weniger als die Rettung der Motivation selbst bedeuten.
Denn Prämien sind keine Motivation. Sie erzeugen sie nicht, schon gar nicht dauerhaft. Sie funktionieren nur motivierend. Sehr gut, aber auch sehr kurzfristig. Immer wieder, aber jedes Mal nur einen Moment lang. Aber dieser eine Moment ist immer lange genug, um ihn für eine Beeinflussung nutzen zu können: „Das kriegst Du von mir!“ Habenwollen, Gier entsteht. Maßnahme funktioniert. Einfach, schnell, günstig. Thema durch.
Das intrinsische Prinzip steckt weit tiefer in uns als das, für irgendetwas von jemandem belohnt zu werden. Aber die allgemeine Trägheit (Todsünde, übrigens ...) des Komfortmenschen sitzt auf ihm wie ein fetter Elefant im Reife-Äpfel-Wald.
Nimmt man das Gründungsdatum von Roman Rackwitz Münchner Agentur engaginglab als Initialzündung, wird das Thema Gamification in Deutschland 2019 10 Jahre alt. Rackwitz war der erste Spezialist dafür, der erste, der angefangen hat, Unternehmen zu beraten und Software zu bauen. Eigentlich, oder beinahe, ist er Wissenschaftler, auf jeden Fall aber Wissenschaffer. Der Familienvater ist eine Gallionsfigur, auf fast jeder Veranstaltung ganz vorne mit dabei, keynotet und moderiert beim Gamification Day, erklärt sich unermüdlich wund, ist weltweit unterwegs und einer der bekanntesten Consultants für intrinsische Motivation.
Roman hat es alles andere als leicht mit seinem Thema, das den Menschen doch so gut tun würde. Fette Elefanten im Apfelparadies bringt man nicht mal eben zum Aufstehen. Das ist ein Spiel, das lange läuft. Viele Versuche benötigt. Voller Niederlagen steckt. Durchhaltevermögen braucht. Denn die Viecher fressen auch die faulen Früchte ...
Anlässlich des Gamification Day 2018 am 5.9. in Köln habe ich mit Roman Rackwitz über seinen 10-jährigen Kampf gesprochen.